Ein negativer Schnelltest ist kein Freibrief

Seit Anfang März kostenlose CORONA- Antigentest sog. Schnelltests verfügbar sind, haben vielen so einen Test gemacht. Das Hauptargument ist meistens, dass ein negatives Testergebnis irgendwo verlangt wird (Flugreise) oder zur Sicherheit vorausgeht am Besuch anderer Personen..

Man muss hierbei bedenken, dass Sinn der Schnelltest ist, nicht-symptomatischen, infizierte Personen zu finden. Wenn Schnelltests auf breitem Front eingesetzt werden und dadurch solche Personen entdeckt werden, ist Zweck des Tests erfüllt. Zum Ersten wird man isoliert, damit man nicht weitere Personen infiziert. Wird die Infektion durch RT-PCR Test bestätigt, kann man auch ggf. frühzeitig mit der Behandlung beginnen, was essenziell für die Genesung ist. Außerdem wird durch breiten Einsatz des Schnelltests die Dunkelzahl und damit die Steigerung der Fallzahlen verringert.

Das Ergebnis der Antigentest wird unter folgenden Betrachtungen eingeordnet.

  1. Positiv, richtig
  2. Positiv, falsch
  3. Negativ, richtig
  4. Negativ, falsch

Es gibt viele Publikationen worin erklärt wird, wie Testergebnisse unter dieser Gesichtspunkte einzuordnen sind. Zum Beispiel von einem jüngst vom RKI veröffentliche Infographik.  In dieses Dokument werden die 4 Situationen in eine Beispiel rechnerisch dargestellt. Die Autoren schließen, dass die Wahrscheinlichkeit beim positiven Schnelltest Ergebnis tatsächlich infiziert zu sein abhängt von dem Anteil infizierter Personen in der Gruppe der Getesteten (Grafik auf Seite 3 des Manuskriptes). Ebenso legt man na, dass wenn man ein negatives Test Ergebnis hat, die Wahrscheinlichkeit, wirklich negativ zu sein, genauso davon abhängt, wie hoch der Anteil der positiv Getesteten war.

Nur das sind gerechneter Beispiele. Ich kenne keine praktische Messergebnisse die diesen Auffassung belegen. Schnelltest Ergebnisse werden nicht dokumentiert wie die von RT-PCR Tests. Hin-und-wieder werden Ergebnisse von Gruppentests publiziert. Dabei liegt der Prozentzahl der positiven
< 1%. Laut Beispiel auf der Infografik des RKIs wäre die Wahrscheinlichkeit, dass man in diesem Fall trotzdem positiv sein kann bei 0.01%.

An dem bio-analytische Gesichtspunkt gehen die RKI Autoren und an den Ursachen für ein falsch-negativ oder falsch-positiv Ergebnis vollends vorbei . Ein falsch positiven Fall im Schnelltest bereitet niemand sorgen, weil so ein Ergebnis zu einen RT-PCR Test zwecks Bestätigung erzwingt und Maßnahmen folgen . Am meisten Sorge macht man sich wg. eines falsch-negativen Testergebnis. „Wie hoch ist der Wahrscheinlichkeit dass ich trotz negativem Schnelltest dennoch infiziert bin“ fragt sich jeder. Die Ursachen für ein falsch-negativ liegen in der Test selbst.

Wie läuft der Schnelltest ab? Es werden Zellen aus der Schleimhaut der Nase oder Rachen entnommen. Menschlichen Zellen enthalten neben die DNA, typischerweise mehrere tausend Proteinen. Im Fall einer infizierte Person daneben auch Corona Virenteilchen die auch aus Erbmaterial, in diesem Fall RNA und Proteinen besteht. Um das Erbmaterial sowie die Proteinen der Viren zugänglich für Analyse zu machen, wird die Probe ein Reagenz hinzugefügt, das die DNA, RNA und Proteinen des Virus freisetzt. Die zugesetzte Lösung enthält auch mit einem Farbstoff markierte Antikörper die sich binden können an Virus Proteinen. Das dauert eine gewisse Zeit wonach das Komplex von Virusprotein und Antikörper detektiert werden kann. Wenn man sich realisiert, dass in der Probe viele andere Proteinen vorhanden sind wäre es erstaunlich dass nur die Virus Proteinen gebunden werden. Das ist was der Bio-Analytiker, Spezifizität der Test nennt. Es kann jedoch durchweg sein dass andere Proteinen die Bindung mit dem Antikörper zu vor kommen. Deswegen nennt sich der Prozess „competitive binding“. Wenn also sehr viel Virusprotein in der Probe vorhanden ist, haben diese andere Proteinen kaum eine Chance zu binden und die Kolorierung beeinflussen. Der Infektion wird detektiert und deswegen ist der Schnelltest in vielen Fälle auch positiv-richtig (in den Beispiel des RKI’s bei 80%)

Einen weiteren, analytischen Aspekt der Schnelltest ist der Detektionsgrenze. Generell die Konzentration (g/L) oder Menge (g) die, mit einer festgelegten Wahrscheinlichkeit, der Substanz nachweist. In diesem Fall der Anzahl der Corona Virenteilchen. Der Reverse Transcriptase PCR Test ist der Goldstandard. Prinzipiell könnte man mit einem RT-PCR  sogar 1 Virus Teilchen nachweisen. Prof. Chris Le, University of Alberta hat eine exzellente Übersicht dieser Test publiziert. Eine Untergrenze der RT-PCR wird mit 5-10 mRNA Kopien d.h. 5-10 Virus Teilchen angegeben. Das ist was der Bioanalytiker „Sensitivität“ nennt.

Für der Antigen-Test liegt der Untergrenze bei etwa 40-50 Virusteilchen. D.h. aber, dass wenn man in dem Schnelltest positiv test, darüber liegt und als infiziert betrachtet werden soll. Aber ein negativ Testergebnis ist nur ein Momentaufnahme weil es möglich ist dass sich dennoch Virenteilchen unter diese Grenze anwesend sind, und somit eine geringe Infektion vorliegt. Dennoch kann sich daraus einen vollen Infektion entwickeln. Deswegen muss in kritische Fälle der Test aller drei Tage wiederholt werden.

Das erklärt auch meine Aussage im Titel, ein negatives Schnelltest Ergebnis ist kein Freibrief aber ein Momentaufnahme

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.